Oldenburger Beiträge zum Zivil- und Wirtschaftsrecht

Harry Funk

Produzenten- und Produkthaftungsrisiken in managementorientierten und externen Unternehmensabbildungen

Folgend auf die Finanzkrise traf in den Jahren 2009/2010 beispielsweise die Automobil-industrie die nächste Krise, da aufgrund von Sicherheitsmängeln Schadensersatzansprü-che, Rückrufaktionen und Reputationsschäden aus der Produzenten- und Produkthaftung auf die Unternehmen zukamen. Aus den Produzenten- und Produkthaftungsrisiken ent-stehen also wirtschaftliche Risiken, die in der Dokumentation, Planung und Kontrolle von Unternehmensabbildungen berücksichtigt werden müssen. Damit stellt sich einer-seits die Frage, inwieweit diese Risiken in managementorientierten Unternehmensabbil-dungen zu beachten sind. Andererseits zu untersuchen, ob in externen Rechnungsle-gungskreisen ausreichende Vorschriften zur angemessenen Risikovorsorge verpflichten. Darüber hinaus ist zu analysieren, ob hinsichtlich der Produzenten- und Produkthaf-tungsrisiken eine konvergente Verwendung von Daten für managementorientierte und externe Unternehmensabbildungen möglich ist.

Es wird aufgezeigt, dass die Haftungsrisiken aufgrund des Auseinanderfallens des Planungs- und Kontrollhorizontes intern besser durch investionstheoretische als durch kostentheoretische Ansätze abgebildet werden können. Weiterhin wird festgestellt, dass die Rückstellungsvorschriften hinsichtlich der Bilanzierung nach HGB, IFRS und Steuerrecht zu großen Teilen nicht harmonisiert sind. Unter Konvergenzgesichtspunkten wäre eine Orientierung der managementorientierten Unternehmensrechnung an der Bilanzierung nach § 249 HGB durchaus sinnvoll, wenn die sonstigen Rückstellungen durch einen Rückstellungsspiegel für Produkfehler differenzierend in Gewährleistungs-, Kulanz-, Produzenten- und Produkthaftungs- sowie Rückrufrisiken ergänzt werden würde. Weiterhin werden klarstellende Änderungen der Vorschriften zu Pauschal-rückstellungen nach IAS 37.24 vorgeschlagen. Unter Berücksichtigung dieser Vorschläge kann eine Konvergenz der managementorientierten und externen Unternehmensabbildungen nach HGB und IFRS hisichtlich der Produzenten- und Produkthaftungsrisiken gelingen, während die Steuerbilanzierung außer vor bleiben muss. Daraus ergeben sich weitere Indizien für die fortschreitende Abkopplung der Handels- von der Steuerbilanzierung.

Bd. 33, XVIII, 237 S., Edewecht 2011, € 39,80
ISBN-13 978-3-939704-58-4